Kritik an Esperanto – Teil 3

Nachdem wir uns soziolinguistische und sprach-immanente Kritikpunkte angeschaut haben, kommen wir nun zu einer persönlichen Stellungnahme, die sich für mich aus der Diskussion ergibt…

1. Der pragmatische Aspekt

Pragmatische Argumente für die Verwendung von Esperanto lassen sich nicht aufrechterhalten. Leider ist Esperanto trotzdem so weit verbreitet und wird so strikt gegen Reformen verteidigt, dass es unmöglich geworden ist, eine Reform oder Alternative zu Esperanto zu etablieren.

Der vielzitierte „propädeutische Wert“ von Esperanto („Paderborn-Effekt“) von Esperanto ist nicht von der Hand zu weisen; allerdings sind hier bei anderen einfachen Sprachen ähnliche Effekte zu erwarten – konstruierte (Ido, Interlingua …) wie natürliche (Afrikaans, Indonesisch, …)

2. Der idealistische Aspekt

Allerdings hat Esperanto so viele sprach-immanente Schwächen, dass es schwer ist, die Verwendung von Esperanto mit idealistischen Argumenten („jeder sollte die beste Sprache sprechen“) zu rechtfertigen. Die schlimmsten Sünden, die Esperanto für mich praktisch untragbar machen, sind:

  1. Die Sonderzeichen  ĉ, ĝ, ĥ, ĵ, ŝ und ŭ.
  2. Die unnötige Akkusativ-Markierung.
  3. Die unnötige adjektivische Übereinstimmung.
  4. Der sprach-inhärente Sexismus
  5. Die unsystematische  willkürliche Ableitung des Vokabulars.
  6. Die unvollständige Verb-Morphologie (zu viele Formen, aber kein Aspekt).
  7. Der übermäßige (und nicht immer logische) Gebrauch von agglutinativer Morphologie.
  8. Die unsystematische Einteilung und Endung der Funktionswörter bei gleichzeitiger strikter Beibehaltung der End-Vokale.

Die meisten dieser Defizite wären leicht zu reparieren. Die Community arbeitet ganz heimlich auch an einigen Punkten (insbesondere 4 & 5), allerdings oft gegen die offiziellen Regeln oder unter Missbilligung der Präskriptivisten. Andere Punkte gelten als „unantastbar“ (insbesondere 1, 2, 3 & 8).

Justin B Rye beschreibt Esperanto als „just goood enough to inspire anti-revisionist fanaticism, just bad enough to strike the general public as risible“. Dadurch blockiert Esperanto für unbestimmte Zeit die (Weiter-)Entwicklung einer wahrhaft eleganten, einfachen, klaren und universellen Welthilfssprache.

Links/Quellen:

Kritik an Esperanto:
http://jbr.me.uk/ranto/
http://miresperanto.com/konkurentoj/not_my_favourite.htm
http://www.yearlyglot.com/five-failures-of-esperanto/

Verteidigung von Esperanto:
http://www.esperanto.hr/jki10_2015_puskar.pdf
https://whistlinginthewind.org/2014/09/28/response-to-the-criticism-of-esperanto/
http://esperanto.info/en/basic_information/common_objections/common_criticisms_about_esperanto
http://inf.ufrgs.br/~vbuaraujo/misc/kontrauranto/
https://www.quora.com/What-are-the-most-common-criticisms-and-objections-against-Esperanto-Are-they-valid
http://claudepiron.free.fr/articlesenanglais/why.htm
http://remush.be/rebuttal/#questions

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