Die Getränke-Studie: Teil 2 – Kohlensäurehaltiges Mineralwasser

Karte_W1Um keine Variante zu bevorzugen, lautete die Frage „Wie nennt man kohlensäurehaltiges Wasser ohne Zuckerzusatz?“

Teil 1 – Einführung
Teil 3 – Zitronenlimonade
Teil 4 – Cola-Limonade-Mischung
Teil 5 – Bier-Limonade-Mischung

Auf der Karte sind die Erst- und Zweitvarianten für alle verfügbaren Regionen dargestellt. Im Folgenden eine ausführliche Analyse der einzelnen Bezeichnungen.

 

Die Bezeichnungen Wasser und Mineralwasser wurden für die Kartierung zusammengefasst, da sich im Allgemeinen kein Unterschied in der regionalen Verteilung erkennen lässt. Es scheint, dass die Begriffe synonym verwendet werden bzw. Wasser die Kurzform von Mineralwasser darstellt. Lediglich in Südtirol und dem westlichen Österreich wird Wasser deutlich seltener verwendet als MineralwasserW1_wasser_kombDas Begriffspaar Wasser/Mineralwasser wurde insgesamt am häufigsten genannt und ist flächendeckend überall üblich, wenn auch nicht überall als Hauptvariante. Schwerpunkt als Hauptvariante findet man besonders in Norddeutschland, Nordrhein-Westfalen, Luxemburg, Deutsch-Belgien, Hessen und Bayern. Interessanterweise können beide Bezeichnungen auch Wasser ohne Kohlensäure bezeichnen; besonders Wasser kann im Alltag zu Mehrdeutigkeiten führen. Wie dieses Kommunikationsproblem in diesen Regionen gelöst wird, kann diese Studie nicht beantworten.

W1_mineralEine zweite Abkürzung für Mineralwasser ist Mineral. Diese Bezeichnung wird fast ausschließlich in den Alpenländern verwendet; eine etwas höhere Konzentration findet sich außerdem in Bayern. In der Schweiz, Liechtenstein und Österreich ist es jeweils die häufigste Variante. Meiner eigenen Erfahrung nach wird das Wort in der Schweiz auf der ersten Silbe betont.
W1_sprudelDie zweit-üblichste Variante in Deutschland ist Sprudel als Kurzform von Sprudelwasser. (Die Langform stand nicht zur Auswahl, wurde aber von 32 Gewährpersonen ohne geographischen Schwerpunkt unter „Sonstiges“ angegeben). Sprudel bildet die Hauptvariante in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Saarland, findet sich aber auch in anderen deutschen Bundesländern. An der Grenze zu Österreich und der Schweiz endet die Verwendung abrupt. Eine Besonderheit des Begriffs Sprudel ist, dass er in vielen Gegenden auch Zitronenlimonade bezeichnen kann, mehr zu dieser Ambiguität in Teil 3 – Zitronenlimonade. W1_sprudelsauerEine Folge dieser Ambiguität ist auch die Existenz der Variante Saurer Sprudel in Südwestdeutschland zur Abgrenzung von Süßer SprudelSaurer Sprudel wird ausschließlich aus Gebieten berichtet, in denen auch Süßer Sprudel für Limonade üblich ist (aber nicht zwangsläufig umgekehrt).

 

W1_seltersDie Bezeichnung Selter oder Selters leitet sich vom Namen der Gemeinde Selters im Taunus (Landkreis Limburg-Weilburg) ab, war lange der Name zweier Mineralwasser-Marken und wurde in Teilen Deutschlands zum allgemeinen Gattungsnamen. In der DDR war die generische Verwendung länger in Gebrauch; in den neuen Bundesländern ist es noch heute die häufigste Variante. Weiterhin findet man auch höhere Konzentrationen in Schleswig-Holstein sowie Hessen; in letzterem möglicherweise, weil hier der ursprüngliche Ort Selters zu finden ist.

W1_sodaSoda (aus dem Arabischen) bezeichnet normalerweise ein Natriumsalz, bildet in vielen Sprachen (z.B. Englisch) aber auch die Bezeichnung für Mineralwasser. Im deutschsprachigen Raum ist diese Verwendung eher selten und bildet nirgendwo die Hauptvariante. Für Österreich wurde Soda jedoch deutlich häufiger berichtet als die anderen Regionen; insbesondere im Norden findet man höhere Konzentrationen. Bis auf die Stadt Wien bildet es jedoch jeweils nur die dritthäufigste Variante nach Mineral und Mineralwasser; dadurch bleibt es auf der Übersichtskarte relativ unsichtbar.

W1_bloeterliwasserIn der Schweiz findet man mit Blöterliwasser (Alemannisch für „Bläschen-Wasser“) eine dialektale Variante, diese wurde jedoch seltener genannt als Mineral. Für die Verwendung der beiden Schweizer Varianten ließen sich kaum regionale Unterschiede erkennen; lediglich in Graubünden scheint Blöterliwasser unüblich zu sein. Wie Sprudel kann Blöterliwasser sowohl Mineralwasser als auch Limonade bezeichnen; die zweite Verwendung ist jedoch deutlich weniger üblich.

Zwei weitere vorgegebene Varianten wurden praktisch nirgendwo berichtet: Spratzelwasser wurde von Wörterbüchern als fränkische Variante berichtet, finden sich in der Umfrage jedoch nur noch in Spuren in Oberfranken. Springerl als bairische Variante, bezeichnete ursprünglich Limonade, wurde von manchen Wörterbüchern auch für Mineralwasser genannt. Allerdings berichtete keine einzige Gewährperson Springerl als „eher üblich“ oder „üblich“.

Zusätzlich zu den vorgegebenen Varianten wurden einige zusätzliche Bezeichnungen berichtet, die jedoch nirgendwo die Hauptvariante oder Zweitvariante bilden. Gelegentlich wurden regional Markennamen als generische Bezeichnung verwendet, insbesondere Henniez in der Westschweiz (Herkunft: das französischsprachige Waadt). Aus mehreren Regionen der Deutschschweiz wurde auch Chrüseliwasser (Alemannisch für „Kräusel-Wasser“) berichtet. Aus Deutschland wurde vereinzelt Bitzelwasser genannt, ohne dass sich eine regionale Konzentration erkennen lässt.

Da für die Bezeichnungen für kohlensäurehaltiges Wasser keine historischen Daten vorliegen, lassen sich keine diachronen Vergleiche anstellen; es gibt jedoch indirekte Hinweise für eine umfangreiche Ausbreitung der Variante Sprudel im Westen von Deutschland, mehr dazu bei Teil 3 – Zitronenlimonade.

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