Die Getränke-Studie: Teil 1 – Einführung

Seit über zehn Jahren sammelt und kartiert der „Atlas zur deutschen Alltagssprache“ (AdA; http://www.atlas-alltagssprache.de/) Daten zur Verteilung von Wörtern (sowie grammatikalischen und lautlichen Phänomenen) im deutschen Sprachgebiet. Dabei wurde bisher jedoch noch nicht nach den Bezeichnungen für bestimmte Getränke gefragt, für welche eine Recherche in Wörterbüchern eine Vielzahl von Regionalismen anzeigt:

  • Kohlensäurehaltiges Wasser
  • Kohlensäurehaltiges Wasser mit Zucker und Zitronengeschmack (Zitronenlimonade)
  • Mischung aus Cola und Orangenlimonade
  • Mischung aus Bier und Zitronenlimonade

Um diese Wissenslücke zu schließen, habe ich von November 2014 bis Juni 2015 eine Online-Umfrage durchgeführt. Da für die letzten drei Getränke im „Wortatlas der deutschen Umgangssprachen“ WDU (Eichhoff, 1977ff.) auch Daten aus den 1970ern (und teilweise 1980ern) vorliegen, war hier auch die historische Veränderung (diachroner Vergleich) von großem Interesse.

Herzlichen Dank an die vielen Teilnehmer für die Unterstützung!

Hier können Sie Eine Kurzzusammenfassung herunterladen. Eine detailliertere Auswertung finden Sie in diesem Blog:

Teil 2 – Mineralwasser
Teil 3 – Zitronenlimonade

Teil 4 – Cola-Limonade-Mischung
Teil 5 – Bier-Limonade-Mischung

Wenn Ihnen diese Studie gefallen hat, würde ich mich freuen, wenn Sie an meiner zweiten Befragung zum regionalen Sprachgebrauch teilnehmen!

Methoden

Die Online-Umfrage wurde vom 11.11.2014 bis zum 28.06.2015 über verschiedene Facebook-Gruppen verbreitet und von insgesamt 1523 Personen ausgefüllt. Für Gebiete mit fehlenden Belegen wurden zusätzlich Tourismus-Büros u.Ä. per Email kontaktiert. Nach Ausschluss unbrauchbarer Datensätze blieben noch 1500 Fälle übrig, welche sich auf alle deutschsprachigen Länder Mitteleuropas verteilen:

  • Deutschland 1290
  • Österreich 135
  • Schweiz 55
  • Italien (Südtirol) 12
  • Luxemburg 4
  • Belgien (deutschsprachige Gemeinschaft) 2
  • Liechtenstein 2

Im Gegensatz zum Atlas zur Deutschen Alltagssprache (in welchem Begriffe nur dichotom nach üblich/unüblich abgefragt werden), konnte die Üblichkeit für jeden Begriff zur genaueren Differenzierung auf einer vierstufigen Skala angegeben werden:

  • völlig unüblich
  • eher unüblich
  • eher üblich
  • üblich

Dieses System wurde von einem Teil der Befragten (ca 9%) jedoch nicht genutzt, sondern stattdessen nur für übliche Begriffe eine Wertung abgegeben und unübliche Begriffe freigelassen. Diese Fälle wurden so interpretiert und umkodiert, dass ausgefüllte Items die Wertung „üblich“ (unabhängig vom tatsächlichen Wert) und freigelassene Items die Wertung „völlig unüblich“ angeben.

Für die Kartierung wurden die Orte zu 227 Regionen zusammengefasst, die je nach Land unterschiedlichen Verwaltungseinheiten entsprechen:

  • In Deutschland ein oder mehrere Landkreise oder kreisfreie Städte
  • In Österreich ein oder mehrere Bezirke oder Statuarstädte
  • In der Schweiz ein oder mehrere Kantone (außer Bern, welches zweigeteilt wurde)
  • In Südtirol mehrere Bezirksgemeinschaften
  • Luxemburg, Liechtenstein und Deutsch-Belgien bilden jeweils eine Region

Die Größe der Regionen richtet sich ungefähr nach Fläche, jedoch auch nach Belegdichte d.h. in Gegenden aus denen viele Antworten kamen, ist das Netz feinmaschiger und die Kartierung somit genauer. Folgende Karte zeigt die Verteilung der Regionen und die Anzahl Belege pro Region:anzahl_pro_region

Für den historischen Vergleich, wurden die Erhebungsorte des W.D.U. ebenfalls nach meinem Regionen-Schema kodiert.

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