Orthodoxes Christentum weltweit

orthodox_weltNebenstehende Karte zeigt den Prozentsatz orthodoxer Christen in allen Staaten der Erde sowie ausgewählten Territorien und Regionen. Während große Teile der Welt keine nennenswerten orthodoxen Populationen aufweisen, bilden sie in einigen Teilen der Erde deutliche Mehrheiten. Diem liegen hauptsächlich kulturelle / historische Schemata aber auch einige Unregelmäßigkeiten zugrunde… 

Orthodoxe Kirchen sind ein Sammelbegriff für zwei unterschiedliche Familien von Kirchen, die unterschiedliche christologische Dogmen vertreten. Byzantisch-orthodoxe Kirchen bilden eine sehr homogene Einheit, während orientalisch-orthodoxe Kirchen eine heterogenere Familie bilden. Letztere trennten sich schon 451 von den restlichen Kirchen, als sie das Konzil von Chalcedon ablehnten. Die restlichen Kirchen bildeten damals noch eine Einheit, erst 1054 trennten sich die katholische Kirche und die byzantinisch-orthodoxe Kirche. Heute noch akzeptieren die katholische Kirche, die byzantinisch-orthodoxe Kirche und die meisten protestantischen Kirchen das Konzil von Chalcedon, was die orientalischen Kirchen vom Rest der Christenheit trennt. Dennoch ähneln sich die beiden großen orthodoxen Gemeinschaften in ihrer Praxis, Liturgie und Organisation und seit etwa hundert Jahren finden erste Annäherungsversuche statt.

1. Die meisten orthodoxen Christen (75,5%) weltweit finden sich in Europa und Nordasien und in Europa besonders in Südost- und Osteuropa. Byzantinisch-Orthodoxe Kirchen sind die traditionelle Religion bestimmter Ethnien, bei denen die Zugehörigkeit zu orthodoxen Kirchen meist auch einen deutlichen Teil der Identität ausmachen. Diese Völker sind die Serben, Mazedonier, Griechen, Bulgaren, Rumänen, Ukrainer, Weißrussen und Russen. Weitere kleinere orthodoxe Ethnien sind Gagausen, Osseten, Komi, Tschuwaschen, Mordwinen, Udmurten, Mari und Jakuten. Die heutige Verteilung Anhänger orthodoxer Kirchen in Ost- und Südosteuropa erklärt sich fast ausschließlich durch die Verbreitung dieser Ethnien; allerdings steigt wie überall in der westlichen Welt die Anzahl der Konfessionslosen. Die höchsten Prozentzahlen orthodoxer Kirchen findet man hier in Griechenland (93,8%), Gagausien (93,5%), Zypern (93,0%), Moldawien (92,0%), Transnistrien (90,5%) und Georgien (88,5%).

2. Durch starke Auswanderung besagter ost- und südosteuropäischer Völker findet man heute hohe Populationen orthodoxer Christen außerhalb des traditionellen Verbreitungsgebietes, besonders in Westeuropa, Nordamerika, Zentralasien und Australien. Die orthodoxen Kirchen dort haben meistens keine oder sehr wenige Anhänger bei der autochthonen Bevölkerung. In Zentralasien leben Millionen von Russen, wodurch sich die hohen Prozentzahlen orthodoxer Christen in Kasachstan (23,3%), Kirgisistan (7,0%), Aserbaidschan (4,3%) und Turkmenistan (2,0%) erklären. Allerdings sind die Zahlen seit dem Fall der Sowjetunion konstant rückläufig. In der westlichen Welt findet man durch Einwanderung von Russen, Serben, Griechen, Rumänen etc die höchsten Prozentzahlen in Australien (3,1%), Österreich (2,0%), Deutschland (1,8%), Schweiz (1,8%), Italien (1,6%), Kanada (1,6%) und Spanien (1,2%).

3. Orientalisch-Orthodoxe Kirchen gehören zu den ältesten der Welt  und dominieren besonders in Armenien (91,3%), dem ersten Land der Welt welches das Christentum als Staatsreligion einführte.

4. Weiterhin bilden orientalisch.-orthodoxe Kirchen die jeweils größte Religion in Äthiopien (43,5%) und Eritrea (49,0%) und finden sich hier besonders bei den Tigray/Tigrinya und den Amharen, haben aber auch viele Anhänger bei anderen ethiopischen Völkern. Die meisten Anhänger findet man in den Regionen Tigray (95,6%), Amhara (82,5%), Debub (78,4%), Maekel (78,1%) und Addis Abeba (74,6%). Eng verwandt ist die koptische Kirche Ägyptens, wo orthodoxe Christen 14,8% der Bevölkerung ausmachen. Kopten bilden außerdem auch kleine Minderheiten in Libyen und Sudan. Insgesamt leben etwa 19,9% aller orthodoxen Christen weltweit (und 81,3% aller orientalisch-orthodoxen) in Afrika.

5. Im indischen Bundesstaat Kerala sind schon seit der Antike viele traditionelle Kirchen beheimatet, deren Anhänger oft „Thomaschristen“ genannt werden, da der Apostel Thomas in Indien missionierte. Ein Teil der Kirchen ist mittlerweile Teil der katholischen Gemeinschaft, doch 6,1% der Einwohner gehören zu orientalisch-orthodoxen Kirchen.

6. Viele alte Kirchen des nahen Ostens gehören heute zu den beiden großen orthodoxen Gemeinschaften. Die höchsten Prozentzahlen orthodoxer Christen findet man in Libanon (13,0%), Syrien (7,5%), Jordanien (5,3%), Irakisch-Kurdistan (3,1%), Palästina (3,0%) und Kuwait (3,0%). Im Nahen Osten und Südasien leben etwa 3,0% aller orthodoxen Christen weltweit.

Unregelmäßigkeiten:

  • Einige hundert tausend Christen im Nahen Osten gehören zu den sogenannten nestorianischen Kirchen, die sich sogar noch früher, nämlich 431 am Konzil von Ephesos abgespalten hatten und somit mit keiner der beiden orthodoxen Gemeinschaften verbunden sind. Im Mittelalter waren sie in Zentralasien weit verbreitet, heute finden sich nur noch kleine Minderheiten im Irak (1,0%) und seinen Nachbarländern sowie der entsprechenden Diaspora im Westen.
  • Im Jahr 1666 spaltete sich in Russland ein Teil der russisch-orthodoxen Kirche aus Protest gegen Reformen des Patriarchen Nikon ab. Diese „altgläubig“ oder „altorthodox“ genannten Kirchen bilden heute noch kleine Minderheiten in Lettland (3,5%), Moldawien (2,0%), Litauen (0,8%), Weißrussland (0,3%), Estland (0,2%) und Russland (0,1%). Die größten Populationen in Russland finden sich im östlichen Sibirien. Darüber hinaus existieren auch Gemeinschaften in der Diaspora in Nord- und Südamerika.
  • Finnland hat als einziges westeuropäisches Land eine einheimische orthodoxe Tradition und eine unabhängige Finnisch-Orthodoxe Kirche (welche Teil der byzantischen Gemeinschaft ist). Diese macht jedoch nur 1,1% der Bevölkerung aus.
  • Guatemala hat mit 6,8% die höchste orthodoxe Bevölkerung der westlichen Hemisphere. Diese ist jedoch nicht durch Einwanderung entstanden, sondern durch Bekehrung der einheimischen Mayas. Orientalisch-orthodoxe Kirchen dominieren, aber auch byzantisch-orthodoxe Kirchen haben viele Anhänger. Die Zahlen orthodoxer Guatemalteken sind in den letzten 5-10 Jahren explodiert; im Jahr 2000 war noch keine nennenswerte orthodoxe Population vorhanden.
  • Alaska ist mit 6,5% orthodoxer Bevölkerung knapp hinter Guatemala; auch hier stellen Einheimische und nicht Einwanderer aus traditionell orthodoxen Ländern den größten Teil. Die Russisch-Orthodoxe Kirche entstand im 18. Jahrhundert als Alaska zu Russland gehörte durch Bekehrung von Indianern und Misch-Ehen.
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