Religionen in Südasien

sa_dominantSüdasiens komplexe religiöse Landschaft wird hauptsächlich vom dort entstandenen Hinduismus (950 Millionen Anhänger) und dem Islam (500 Millionen Anhänger) dominiert, ist aber auch die Heimat weiterer kleinerer Religionen: dem Buddhismus (28 Millionen), dem Sikhismus (23 Millionen) und dem Jainismus (4,5 Millionen). Darüber hinaus beherbergt der Erdteil neben einigen kleineren animistischen Religionen etwa 60 Millionen Christen. In diesem Post soll die Verteilung der Religionen in den südasiatischen Staaten und (im Falle von Indien, Pakistan und Sri Lanka) Provinzen/Bundesstaaten veranschaulicht werden.

Hinduismus

sa_hinduismusDer Hinduismus ist die älteste der indischen Religionen und etymologisch eng mit dem Land „Indien“ und der Sprache „Hindi“ verknüpft. Er ist die traditionelle Religion der meisten dravidischen und indoarischen Völker und dominiert somit in Indien und Nepal. Die prozentual meisten Hindus leben in den indischen Bundesstaaten Himachal Pradesh (95,4%), Chhattisgarh (94,7%), Orissa (94,3%), Dadra & Nagar Haveli (93,4%) und Madhya Pradesh (91,2%), aber auch in allen anderen indischen Bundesstaaten außer 7 bilden Hindus die Mehrheit. Die wenigsten Hindus (weniger als 0,5%) findet man in Afghanistan, den Malediven und allen pakistanischen Provinzen außer Sindh. Auf Sri Lanka finden sich die meisten Hindus (praktisch ausschließlich Tamilen) in der Nordprovinz (74,6%).

Islam

sa_islamDer Islam ist keine einheimische Religion dieses Erdteils, spielt jedoch schon seit dem 8. Jahrhundert eine wichtige Rolle. Er ist die Religion der Mehrheit in Afghanistan, Pakistan, Bangladesh und den Malediven sowie im indischen Kashmir und auf Lakshadweep. Die prozentualen Extremwerte finden sich in den pakistanischen Stammesgebieten (99,8%), Khyber Pakhtunkhwa (99,7%), Asad Kashmir (99,6%) und Afghanistan (99,2%). Signifikante Populationen finden sich auch in Ladakh (47,4%),  der Ostprovinz Sri Lankas (37,1%) und Assam (30,9%). Die wenigsten Moslems leben vor Allem im Nordosten (Bhutan, Mizoram, Sikkim, Nagaland und Arunachal Pradesh) sowie dem indischen Punjab.

Die meisten Muslime Südasiens sind Sunniten, in Gilgit-Baltistan stellen jedoch Shiiten die Mehrheit (65,8%). Große Gruppen von Shiiten finden sich auch in Jammu & Kashmir (21,1%) und Afghanistan (17,5%).

Buddhismus

sa_buddhismWährend der Buddhismus in Südasien entstanden ist, finden sich die meisten Anhänger heute außerhalb, vor Allem in Ostasien, Zentralasien und Hinterindien. Die heutigen buddhistischen Populationen lassen sich zwei unabhängigen Zweigen zuordnen:

Lamaistischer Buddhismus wird vor Allem von tibetanisch geprägten Völkern praktiziert, diese finden sich am Nordrand des Erdteils. Die größten Populationen bilden sie in Bhutan (76,4%), Ladakh (45,7%), Sikkim (28,1%), Nepal (11,3%), Arunachal Pradesh (8,0%) und Gilgit-Baltistan (6,6%).

Theravada-Buddhismus bildet die Religion der Mehrheit auf Sri Lanka (69,5%), dort dominiert er sehr deutlich in allen Provinzen außer der Nordprovinz und der Ostprovinz. Weitere Theravada-Buddhisten finden sich auch in den Grenzregionen zu Myanmar: Mizoram (8,3%), Arunachal Pradesh (5,0%), Tripura (3,1%) und Bangladesh (0,7%). Schließlich beherbergt auch der indische Bundesstaat Maharashtra eine deutliche Population (6,0%), mehr als die Hälfte aller indischen Buddhisten leben dort.

Sikhismus

sa_sikhismusSikhismus ist die fünftgrößte organisierte Religion der Welt, seine Anhängerschaft besteht jedoch fast ausschließlich aus Punjabis. Daher ist der indische Bundesstaat Punjab mit 60% die einzige Region der Welt, wo Sikhs die Mehrheit bilden. Weitere signifikante Populationen finden sich in den nordwestlichen indischen Bundesstaaten besonders Chandigarh (16,1%), Haryana (5,5%), Delhi (4,2%) und Uttaranchal (2,5%). Außerhalb von Südasien finden sich durch Auswanderung auch viele Sikhs in Französisch-Guyana (1,5%), Kanada (0,9%, in Britisch-Kolumbien 3,5%), Oman (0,7%), England (0,6%) etc.

Christentum

sa_christDas Christentum erreichte Südasien schon im 1. Jahrhundert, war aber noch nie so weit verbreitet wie heute. Christen dominieren in den indischen Bundesstaaten Nagaland (90,1%), Mizoram (87,0%) und Meghalya (78,3%). Große Populationen finden sich auch in Manipur (34,1%), Goa (26,7%), den Andamanen und Nikobaren (21,7%), Arunachal Pradesh (21,7%), der Nordprovinz Sri Lankas (19,3%), Kerala (19,0%) und der Westprovinz (12,9%) und Nordwestprovinz (12,7%) Sri Lankas. Die wenigsten Christen (unter 0,2%) leben in Rajasthan, Haryana, Uttar Pradesh, Himachal Pradesh, Gilgit-Baltistan, Bihar, den pakistanischen Stammesgebieten und den Malediven.

Die christlichen Populationen lassen sich auf verschiedene Missionswellen zurückführen:

  • Die Kirchen Keralas, die heute teilweise zur katholischen, teilweise zur orientalisch-orthodoxen Gemeinschaft gehören, haben ihre gemeinsamen Wurzeln schon in der Antike und gehören zu den ältesten der Welt.
  • Die (lateinisch-) katholischen Kirchen wurden im 15. Jahrhundert durch portugiesische Mission gegründet. Heute findet man sie besonders in Goa (25,8%), Pondicherry (4,5%), Kerala (4,2%), Sri Lanka (4,1%) und Tamil Nadu (3,5%).
  • Im 19. Jahrhundert bekehrten amerikanische Missionare viele Stämme des Nordostens, weshalb sich dort noch heute hohe Konzentrationen an Protestanten (besonders Baptisten und Presbyterianer) finden. Die meisten Protestanten leben in Nagaland (86,9%), Mizoram (85,1%), Meghalaya (51,1%), Manipur (31,0%), Andamanen & Nikobaren (13,9%), Arunachal Pradesh (7,1%) und Sikkim (5,3%).

Animismus

sa_animismusVerschiedene animistische / schamanistische Religionen (oft auch „Natur-“ oder Stammesreligionen genannt) verbleiben auf dem Subkontinent. Sarnaismus ist die traditionelle Religion der Munda-Völker und findet sich besonders in Jharkhand (13,0%), West-Bengalen (1,0%) und Orissa (1,0%). Donyi-Polo wird in Arunachal Pradesh mittlerweile institutionalisiert und macht dort 27,7% der Bevölkerung aus. Dem Sanamahismus hängen in Manipur 10,8% der Bevölkerung an. Die tibeto-burmanischen Völker des Himalayas praktizieren teilweise die traditionellen Religionen Bön und Kirant, größere Populationen finden sich in Bhutan (6,0%), Nepal (4,0%) und Sikkim (2,6%).

Sonstige

Der Jainismus ist die kleinste der indischen Religionen; Jainas stellen nirgendwo die Mehrheit. Die größten Populationen finden sich in Maharashtra (1,3%), Rajasthan (1,2%), Delhi (1,1%) und Gujarat (1,0%).

Bahá’i haben in Südasien etwa 2,2 Millionen Anhänger und Indien hat vermutlich von allen Staaten weltweit die größte Population, aufgrund ihrer verstreuten Verbreitung machen sie aber in keiner Region mehr als 0,5% aus.

Indien beherbergt eine der letzten Populationen von Zoroastriern; diese sogenannten Parsi machen noch etwa 60.000 Individuen aus (die meisten in und um Mumbai), sind aber seit Jahrzehnten im Rückgang. Einige wenige Zoroastrier leben auch in Afghanistan.

Das Judentum hatten historisch einige Populationen in Indien; die meisten Juden sind jedoch mittlerweile nach Israel ausgewandert. Insgesamt bleiben nur etwa 20.000 Juden in Südasien; den prozentual höchsten Anteil bilden sie mit 0,9% in Mizoram, wo die Bnei Menashe beheimatet sind.

Konfessionslose, Atheisten oder Agnostiker existieren in Südasien, tauchen aber kaum in Statistiken auf, da sie sich trotzdem oft mit einer Religion z.B. Hinduismus oder Buddhismus identifizieren.

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