Geschlecht in Indoeuropäischen Sprachen

gender_indoeurDie indoeuropäische Ursprache hatte wie das Deutsche drei grammatikalische Geschlechter: männlich, weiblich und Neutrum. Viele moderne indoeuropäischen Sprachen haben immer noch alle drei Geschlechter, in manchen sind jedoch zwei davon oder wie im Englischen sogar alle drei verschmolzen. Spuren des älteren Drei-Geschlechter-Systems zeigen sich hier manchmal aber noch in den Personalpronomen oder Sonderformen.

Die baltischen Sprachen, die keltischen Sprachen, die meisten romanischen Sprachen und Albanisch weisen nur noch zwei Geschlechter auf: männlich und weiblich. Das ursprüngliche Neutrum ist mit dem männlichen Geschlecht verschmolzen. Rumänisch (inklusive die verwandten kleineren Sprachen) und Asturianisch sind die einzigen romanischen Sprachen, die noch eine Unterscheidung zwischen Neutrum und männlich aufrechterhalten.

Die slawischen Sprachen und Griechisch unterscheiden immer noch zwischen den drei Geschlechtern. Lediglich die „Mikrosprache“ Molisekroatisch hat ein männlich-weiblich-System. Im Fall von Polnisch, Tschechisch und Slowakisch wird bei männlichen Nomen sogar zusätzlich zwischen belebt und unbelebt unterschieden, so dass man diese Sprachen als ein vier-Geschlechter-System interpretieren kann.

Die germanischen Sprachen sind uneinheitlich in ihren Geschlechtssystemen. Isländisch, Färöisch, Norwegisch, Niederdeutsch, Deutsch, Nordfriesisch und Saterfriesisch besitzen weiterhin ein drei-Geschlechts-System. In Schwedisch, Dänisch, Westfriesisch und Niederländisch sind männlich und weiblich zu einem Geschlecht verschmolzen – in der Literatur oft Utrum genannt.

Oft gibt es aber innerhalb der Sprachen regionale Unterschiede: Der Bergener Dialekt hat im Gegensatz zum restlichen Norwegisch auch das Neutrum-Utrum-System. Dagegen behalten das südliche Niederländisch, einige schwedische Dialekte, einige dänische Dialekte und das Schiermonnikooger Friesisch (im Gegensatz zu ihren Standardsprachen) die Unterscheidung zwischen männlich und weiblich bei. Die nordfriesischen Dialekte Fering und Öömrang wiederum haben weiblich und Neutrum verschmolzen.

Englisch, Afrikaans, modernes Jiddisch und einige jütischen Dialekte schließlich haben das Geschlechtssystem für Nomen komplett abgebaut, bei den Personalpronomen ist es jedoch noch vorhanden.

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