Die Moselfränkische Sprache

moselfränkischMir wëlle bleiwe wat mir sinn
(Luxemburgischer Wahlspruch)

Moselfränkisch ist eine Sprache die Teil des rheinischen Fächers ist. Sie umfasst einige sehr unterschiedliche Dialekte wie Luxemburgisch, (westliches) Saarländisch, Eifeler Platt, Trierer Platt und Siegerländisch, deren Zusammengehörigkeit oft übersehen wird. Luxemburgisch wird regelmäßig als eigene Sprache gesehen, doch spricht Vieles gegen diese Sichtweise

Verbreitung: Den Kern des Sprachgebietes bilden Luxemburg und die westlichen Hälften der Bundesländer Saarland und Rheinland-Pfalz. Weiterhin gehören auch angrenzende Gebiete in Belgien (um St Vith), Lothringen und Nordrheinwestfalen (hier besonders das Siegerland) dazu.
In Rumänien wird mit dem sogenannten „Siebenbürger Sächsisch“ ein moselfränkischer Dialekt gesprochen (der mit dem eigentlichen „Sächsisch“ nichts zu tun hat); die meisten Deutschen haben jedoch nach 1989 das Land verlassen.

Entstehung: Das Moselfränkische stammt hauptsächlich vom Altfränkischen ab, wodurch es mit Ripuarisch, Limburgisch und ferner auch Niederländisch verwandt ist. Allerdings wurden moselfränkische Dialekte stärker durch andere mitteldeutsche Sprachen beeinflusst (Zweite Lautverschiebung teilweise durchgeführt). An Mosel und Saar wurde bis ins 11. Jahrhundert neben fränkischen Dialekten auch eine romanische Sprache gesprochen (was sich noch in einigen landwirtschaftlichen Wörtern und Ortsnamen an der Mosel zeigt),  diese wurde jedoch durch das Mittelfränkische verdrängt. Schriftliche Zeugnisse aus Trier und Echternach zeigen ab dem 11. Jahrhundert eine eigenständige Entwicklung. Erst Mitte des 20. Jahrhunderts kam in Luxemburg der „sprachliche Separatismus“ auf, Luxemburgisch als eigene Sprache anzusehen.

Identität: Es gibt so gut wie keine gemeinsame moselfränkische Identität und kaum ein Sprachbewusstsein; stattdessen umfasst das Moselfränkische mehrere regionale Identitäten:
Luxemburger sehen sich aufgrund eines eigenen Staates schon lange als eigenes Volk mit eigener Sprache (autonym Lëtzebuergesch). In Frankreich werden die Dialekte meist als „Lothringisch“, „Lothringer Platt“ oder einfach nur „Patois“ bezeichnet. Die Dialekte des Saarlandes gehören im Westen zum Moselfränkischen, im Osten zum Rheinfränkischen; den Sprechern ist dieser Unterschied zwar bewusst, dennoch gibt es eine gemeinsame saarländische Identität. Ähnlich zweigeteilt sind auch der Hunsrück und der Westerwald; die Sprecher bezeichnen ihre Sprachen als „Hunsrücker Platt“ bzw Wäller Platt. Im nordwestlichen Rheinland-Pfalz wird außerhalb der Eifel, deren Sprache als Eifeler Platt bezeichnet wird jeweils der Name des Regionaldialekts verwendet z.B. „Trierer Platt“, „Koblenzer Platt“ etc. Schließlich hat auch das Siegerland eine eigene Identität; hier wird die Sprache „Siegerländer Platt“ (autonym Sejerlännr Pladd) genannt.

Abgrenzung: Sprachlich und geographisch steht Moselfränkisch zwischen Ripuarisch im Norden und Rheinfränkisch im Osten. An beiden Grenzen gibt es ein weiches Dialekt-Kontinuum, so dass die Grenzziehung objektiv nicht immer eindeutig ist.
Als Grenze zum Ripuarischen wird die Bad Honnefer Linie verwendet, welche zwischen Dorf (Moselfränkisch) und Dorp (Ripuarisch) unterscheidet. Darüber hinaus gibt es deutliche Unterschiede in Grammatik und Phonetik (besonders Entrundung und Diphthongierung).
Die Grenze zum Rheinfränkischen bildet die Sankt Goarer Linie oder das-dat-Linie: Im Rheinfränkischen sagt man das und es, während Moselfränkisch dat und et verwendet.
Die kurze Grenze zum Niederdeutschen (zwischen Siegerland und Sauerland) ist sehr scharf und eindeutig.
Viele Autoren trennen das Luxemburgische als eigene Sprache ab. Während es zwar viele Eigenständigkeiten hat (z.B. französische Lehnwörter), teilt es dennoch viele Gemeinsamkeiten mit den angrenzenden Dialekten in Deutschland und bleibt Sprechern verständlich.

Unterteilung: Eine Isoglosse spaltet das Moselfränkische in zwei Zonen: im Nordwesten sagt man op (die Präposition „auf“), im Südosten of. Unabhängig davon werden verschiedene Dialektgruppen unterschieden, die teilweise auch in beiden Gebieten liegen. Am einfachsten sind die Abgrenzung des Luxemburgischen (liegt komplett im op-Gebiet) und des „Siebenbürger Sächsisch“; andere Gruppen gehen fließend ineinander über lassen sich nur grob klassifizieren. Mein Vorschlag zur inneren Gliederung ist auf der Karte oben erkenntlich.

Status: Im allgemeinen ist das Moselfränkische eine der vitalsten deutschen Sprachen. Außer in Frankreich, um Arlon und in größeren Städten ist nur ein langsamer Rückgang zu bemerken.
In Rheinland-Pfalz und dem Saarland geben etwa 70-80% an, Dialekte zu sprechen (dtv-Atlas Deutsche Sprache); besonders im Saarland haben die Dialekte ein hohes Prestige und werden von allen Schichten gesprochen. Im Siegerland und einigen Gegenden in Rheinland-Pfalz gibt es eine Verdrängung durch Regiolekte.
In Luxemburg sprechen 90% Luxemburgisch (Eurobarometer Umfrage) und verwenden die Sprache überall in Frankreich, während Standard-Deutsch für die meisten eine Zweitsprache ist.
In Frankreich gibt es noch viele ältere Sprecher, doch lernen wenige Kinder die Sprache, so dass sie dort stark im Rückgang ist.

Zahl der Sprecher: In Frankreich etwa 100.000 Sprecher, Luxemburgisch wird von etwa 350.000 Sprechern gesprochen. Siebenbürger Sächsisch wird noch von etwa 200.000 Sprechern gesprochen. Für Deutschland kann die Zahl auf etwa 2,2 Millionen geschätzt werden, dazu kommen noch einige Sprecher in Belgien, so dass man insgesamt auf fast 3 Millionen Sprecher kommt; hauptsächlich Muttersprachler.

Ausbau: Mit Luxemburgisch besitzt Moselfränkisch eine voll ausgebaute Variante inklusive fester Orthographie und Grammatik, die als Nationalsprache anerkannt ist. Es wird in der Grundschule gesprochen und gelernt und in Radio und Fernsehen verwendet; als H-Sprache werden allerdings Französisch und Standarddeutsch gebraucht. Auch das „Siebenbürger Sächsisch“ wurde vom Siebenbürgisch-Sächsischen Wörterbuch teilweise kodifiziert. In anderen Teilen des moselfränkischen Sprachraums gibt es praktisch keinen Ausbau.

Orthographie: Das Luxemburgische besitzt seit 1976 eine eigene Rechtschreibung mit den Sonderzeichen ë [ɘ] und é [e]; auch ä und ü existieren, aber kein ö. Auch das „Siebenbürger Sächsisch“ hat eine eigene Orthographie, wird aber selten geschrieben. In anderen Ländern gibt es keine feste Orthographie; im Saarland gibt es allerdings gewisse Konventionen z.B. das Sonderzeichen ò für den Laut [ɔː] (um ihn von oo [oː] abzugrenzen). Die Rheinische Dokumenta wurde auch unter Anderem auch für moselfränkische Dialekte entwickelt, wird aber kaum verwendet.

Sprachproben:
http://www.youtube.com/watch?v=fKt1qptxV-4 (Ober-Moselfränkisch)
http://www.youtube.com/watch?v=sr5nlKQRcaM (Ober-Moselfränkisch)
http://www.youtube.com/watch?v=8wN76InEVmQ (Luxemburgisch)
http://www.youtube.com/watch?v=9raNebChe4c (Siegerländer Platt)
http://www.youtube.com/watch?v=JZggPKfQ8nU (Saarland-Moselfränkisch)

Links:
Sprachatlas Siebenbürgisch-Sächsisch
Moselfränkisch-Seite mit Schwerpunkt Zell
Homepage über Eifeler Moselfränkisch
Seite über fränkische Dialekte in Lothringen
Sprachlehre des Moselfränkischen

Links Luxemburgisch:
Monolingualer Kurs in Orthographie
Monolinguale Einführung in Orthographie, Phonetik etc
Luxemburgisch-Wörterbuch
Luxemburgische Wikipedia

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